Was ist eine Neurose?
Unter dem Begriff Neurose versteht sich eine psychische (seelische) Störung, der keine körperlichen Ursachen zugrunde liegen. Wäre dies der Fall, so würde man vom Gegenstück der Neurose, nämlich einer Psychose, sprechen. Neurose ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl psychischer Störungen, der heute allerdings nicht mehr gebräuchlich ist. Die Störungen, die unter dem Begriff zusammengefasst werden, sind sehr unterschiedlich und werden daher heute anders gruppiert. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist das Wort Neurose dennoch nach wie vor gebräuchlich.
Wie stellt sich eine Neurose dar?
Unter einer Neurose versteht man, wie bereits erwähnt, eine psychisch bedingte Gesundheitsstörung ohne nachweisbare körperliche, also organische, Ursache. Eine Neurose ist eine krankhafte Störung der Erlebnisverarbeitung. Diese nicht verarbeiteten Erlebnisse bereiten den Betroffen mehr oder weniger große Probleme, die sich in verschiedenen Verhaltensweisen äußern. Diese bleiben jedoch in der Regel innerhalb sozial akzeptierter Grenzen. Auch die Persönlichkeit der Betroffenen ist im Allgemeinen von der Störung nicht beeinflusst.
Von einer Neurose wird gesprochen, wenn die folgenden Bedingungen erfüllt sind:
- Die Beschwerden oder Störungen beziehen sich auf eine innere Konfliktsituation, die allerdings unbewusst ist und nicht ohne weiteres durchschaut werden kann.
- Unter einer Neurose leidende Personen sind ängstlich, unsicher, gehemmt und verstimmbar. In ihrer Einstellung gegenüber anderen Menschen sind sie oft sehr unschlüssig.
- Es lässt sich eine Fixierung auf bestimmte kindliche Komplexe feststellen. Dadurch kann die Entwicklung verschiedener Lebensbereiche, wie der Spontanität, der Hingabefähigkeit und der Selbstbejahung eingeschränkt sein.
Zudem treten bei einer Neurose bestimmte Krankheitszeichen auf:
- Zwänge
- phobische (zwanghafte) Ängste
- Verstimmungszustände
- Entfremdungserlebnisse
- Hypochondrie
- hysterische Reaktionen
- diffuse Angstzustände
Die Entfremdungserlebnisse lassen sich dabei in zwei Kategorien unterteilen, die Depersonalisation und die Derealisation. Bei der Depersonalisation hat die betroffene Person das Gefühl, nicht mehr sie selbst zu sein, während eine Derealisation dadurch gekennzeichnet ist, dass das Umfeld als merkwürdig und sonderbar wahrgenommen wird.
Bedeutsam bei der Kennzeichnung einer Neurose sind zudem so genannte neurotische Früh- oder Brückensymptome, die im Kindes- oder Jugendalter auftreten. Die Liste der möglichen Erscheinungen ist lang, daher seien an dieser Stelle nur einige genannt. Es können körperliche Auswirkungen wie Einkoten, Einnässen, Erbrechen oder Herz- und Atembeschwerden auftreten. Psychisch äußert sich die Neurose häufig über Unsicherheit, Aggressivität, krankhafte Überangepasstheit, Ängstlichkeit, Gehemmtheit, Zwänge und Phobien. Auch das Auftreten von Essstörungen , Stottern oder Fingernägelkauen zählt zu den neurotischen Früh- und Brückensymptomen.
Lydia Köper